Installationen mit Minisolarstrom-Beleuchtung – Progetto•presepe•particolare (ppp)

 

«Wolke für die Leuchtkäferchen» (2019/2020)

Grundidee 1
Die Erfahrung sich plötzlich inmitten von Tausenden von blinkenden Leuchtkäferchen zu befinden, ist bezaubernd, vielleicht sogar beschreibbar, kann aber weder fotografiert noch auf Film gebannt werden.

Grundidee 2
Das Glühwürmchen (Lampyris noctiluca) war das Tier des Jahres 2019 und «beleuchtete die Lage der Insekten in der Schweiz. Das geheimnisvolle Tier ist bei uns noch weit verbreitet. Doch schrumpfender Lebensraum und steigende Lichtverschmutzung setzen den tierischen Sternchen zu» (Einleitungstext von pronatura.ch).
Auf dem Monte San Giorgio, vor allem in der Gegend rund um Meride, gibt es grosse Popolationen von Glühwürmchen oder eben Leuchtkäferchen, wie sie auch genannt werden: Für mich ein grosses Geschenk der Natur, immer im Mai und/oder Juni,  wenn sie zu Tausenden fliegen und blinken! Das Anliegen dieser Installation ist der eigentliche Wunsch, dass sich die Lebensbedingungen für die Leuchtkäferchen, aber nicht nur für diese, allenthalben verbessern möge – eine Art Brücke in eine bessere Zukunft.

Glückliche Umstände
Mit der Jahreswende 2019/2020 verschwinden auch langsam wieder die elektrischen Weihnachtsdekorationen, diese kitschigen Rentier-Schlitten, Engelis, Samichläuse usw. «Eine den Leuchtkäferchen gewidmete Wolke», so der Titel der diesjährigen Lichtinstallation in einem Waldstück über Meride, die jede Nacht neu erwacht und auch aus der Ebene von Mendrisio aus sichtbar ist – die bis Ende Januar 2020.

Die zündende Idee entstand schon im Januar, bevor die Baumstämme der letztjährigen Installation abgeräumt wurden. Als man lesen konnte, dass das Glühwürmchen als Tier des Jahres 2019 ausgewählt wurde, stand ich schon mitten in den Vorbereitungen für meinen ersten Tag der offenen Tür in Meride an Pfingstsamstag 2019, unter dem Titel «Hommage an die Leuchtkäferchen» (Titel auch eines neueren Triptichons). Das bestärkte mich im Gedanken, das «Omaggio alle lucciole» Ende Jahr nochmals aufzugreifen.

 

 

«Maria und Giuseppe in Rettungswesten» (2018/2019)
«Maria und Giuseppe in Rettungswesten» lautet der Titel der Installation von 2018 in der Werkreihe Progetto•presepe•particolare (ppp), die seit 2013 an unerwarteten Orten im Dorfkern oder in der näheren Umgebung von Meride  realisiert werden. Sie entstehen im Verlaufe des Monats Dezember und bleiben in der Regel bis zum Dreikönigstag, dem 6. Januar bestehen.

Vorgeschichte und Grundidee
Wie eine Art Inkubationszeit erstreckt sich dessen Vorgeschichte über drei Jahre hinweg. Die Grundidee entstand kurz nach dem Abbau der Installation «up site down» (Winter 2014/2015), als sich abzuzeichnen begann, wie eine neue Flüchtlingswelle auf Europa zu rollte, die in kurzer Zeit alles in Beschlag zu nehmen schien – nicht nur die operativen Ressourcen verschiedener Länder Europas zur Bewältigung dieser Menschenmassen, nein, innert Kürze schienen auch viele Zeitgenossen an die Grenzen ihrer emotionalen und geistigen Kapazität zu stossen: Zeitgleich entstand eine wahre Welle geistiger Abwehr, eine von diffusen Ängsten genährte Abwehrhaltung. Auf dieser bald ebenso grossen Welle konnten sämtliche nationalen bis ultranationalen Abschottungsparteien Europas ganz patent mitsurfen und bald einen mächtigen Zulauf von verängstigten Bürgerinnen und Bürgern verzeichnen.

Während ich also meine allerkleinsten Krippenfiguren wegräumte, entstand in mir der Wunsch, als nächstes ein grosses Zeichen zu setzen, wenn irgend möglich überlebensgross. Denn bitte sehr, was waren denn Maria und Giuseppe, wenn nicht ebensolche Flüchtlinge? Wurden sie freundlich aufgenommen? Mmh, darf nicht von Zeit zu Zeit daran erinnert werden, was denn christliche Werte eigentlich ausmachen? Und wann denn, wenn nicht in der Vorweihnachtszeit?

In der Montagna del San Giorgio, einer Gegend, wo Holzschlag, -transport sowie Aufbereitung und Verkauf von Brennholz schon vor Jahrhunderten die kargen Einkünfte durch Landwirtschaft ergänzen mussten, lag es irgendwie auf der Hand, mit der einfachen Formensprache grob zugesägter Baumstämme zu arbeiten.

 

Zum Thema Licht und Lichtinstallation
Alle Jahre wieder… wird in der Adventszeit, vor allem in christlich geprägten Umfeld, mit Licht gegen das Dunkle dieser Jahreszeit angekämpft. Und jedes Jahr scheint männiglich noch exzessiver mit künstlichem Licht aufzurüsten: immer noch glänzender, noch leuchtender, noch glitzernder, noch blinkender, noch bunter und noch raffinierter farbfrequenz-ändernd etc. Gegen besseres Wissen und offizielle Sparempfehlungen, ja sogar gegen gemeinsam beschlossenene Sparabsichten. Und jüngster Zeit natürlich mit der billigen Ausrede, LED verbrauche ja ungleich viel weniger Strom – und vergisst dabei, dass die Natur sehr wohl darunter leidet: verschiedenen Tierarten wird ihr natürliches Umfeld beeintrachtigt und damit ihnen die Lebensgrundlage entzogen oder mindestens stark eingeschränkt.

Da will meine Installation «Maria und Giuseppe in Rettungswesten» nicht mithalten. Die von Walter Schick, Eco2000, geschlagenen und nach meinen Skizzen und Anweisungen knapp zurecht gesägten Baumstrunkriesen stehen ruhig und still auf jener Wiese vor dem Dorfeingang von Meride, die der Bauer Marzio Ferrari von Arzo bewirtschaftet – mein Dank gilt vorab diesen beiden Herren. Zwischen Maria und Giuseppe mit ihren Rettungswesten in Leuchtfarben ist ein weiterer Baumstrunk platziert, eine liegende Trommel. Die offen eingesägte Kerbe soll die Krippe markieren, die im Moment natürlich noch leer ist. Erst am Weihnachtsabend wird sie bestückt, oder besser beseelt, wie es die hiesige, alpensüdseitige Tradition will. 

Im Hintergrund deutet nach dem Eindunkeln eine knapp markierte Dachkontur einen Stall an. Die Lichtstreifen sind am Dach des kleinen Schützenhauses von Meride befestigt – mein Dank, dieses Dach umnutzen zu dürfen, gilt dem örtlichen Schützenverein. Die Solarpanels, die diese minimale Lichtinstallation speisen, sind auf der Dachfläche montiert.

Kleine Solarpanels speisen auch die Scheinwerferchen, die die Holzriesen vorübergehend ins Licht rücken, wenn Personen vorbeigehen. Wenn tagsüber die Sonne scheint, wird der stille, verhaltene Lichtzauber am Abend und in der Nacht vermutlich etwas schöner ausfallen als bei nass-grauem Wetter. Kaum beeindruckt werden jedenfalls die grossen, hellen Limousines-Kühe vom Bauer Ferrari in der Nähe weiden, bzw. wiederkäuend im Gras liegen – oder im Schnee, so es denn dieses Jahr welchen geben sollte.

 

6. Januar 2019 
Die Finissage wurde dank den eindringlichen Dudelsackklängen von Ilario Garbani und den vielen Beteiligten zu einem eindrücklichen Erlebnis – ein grosses Dankeschön an Ilario und an alle! 

 

Auswahl aus Medienecho der Installation
laRegione
TiPress
tio.ch
TicinoNews

Teleticino, Telegiornale vom 28.12.2018 
(der gut dokumentierte Tagesschaubeitrag von Teleticino zur Adventsinstallation in Meride, deren Hintergründe und aktueller Resonanz beginnt bei 8min:40sec)

 

Zur ursprünglichen Projektidee «Montagna in controluce»:
Der südlichste Zipfel der Schweiz in neuem Licht

Die landschaftlichen Reize im Mendrisiotto und insbesondere auch deren Gegensätze fordern zu einer Auseinandersetzung auf künstlerischem Niveau heraus: Attraktive Lichtinstallationen, die mitunter auch die Gewohnheiten des Sehens hinterfragen, stehen im Spannungsfeld mit Traditionen, wie sie in Form von Krippendarstellungen gepflegt werden – alle Jahre wieder.

Touristische Aspekte müssen dabei durchaus nicht im Schatten stehen, im Gegenteil: In Lyon beispielsweise hat sich eine Tradition aus dem 17. Jahrhundert zu einem internationalen «Fest des Lichts» weiterentwickelt – einer Idee, die in einigen europäischen Städten adaptiert worden ist. Ich bin überzeugt, dass eine sympathische, moderate Variante sich mit dem gut erhaltenen, historischen Dorfkern von Meride verbinden, und die Ausstrahlung einer solchen Veranstaltung Leuchtturm-Qualität erreichen kann. In diesem Sinne strebt das Projekt auch kulturellen Mehrwert und die Förderung eines nachhaltigen Tourismus gehobener Qualität an!

«Montagna in controluce» (Arbeitstitel) will dem Charme der Gegend nachspüren • Momente des Nachdenkens schaffen • mit seinem Licht energieneutral sein • alte Traditionen neu aufmischen.
«Montagna in controluce» bietet viel Raum für die Stille • anregende wie besinnliche Momente • eine Plattform für Überraschungen • eine Palette von Ideen und Gedanken.
«Montagna in controluce» sucht Menschen • die sich gerne verzaubern lassen • die sich ebenso gerne überraschen lassen • die sich begeistern können.
«Montagna in controluce» sucht Personen aus Meride, die sich aktiv beteiligen wollen, indem sie einen Stall, ein Schuppen oder ihren Hof als Gestaltungsort zur Verfügung stellen.
«Montagna in controluce» sucht darüber hinaus • initiative Personen, die sich die Mitwirkung im Kernteam einer bezaubernden Veranstaltung vorstellen können. 

Fotos rechts: Meride an einem frühen Sommermorgen nach der kürzesten Nacht des Jahres, im Hintergrund Monte Generoso. Die Zeit um die Sonnenwende bezaubert nicht nur durch lange Tage und viel Licht, rund um Meride sorgen darüber hinaus Nacht für Nacht Heerscharen von Leuchtkäferchen mit ihrem poetischen Tanz für einen stillen Zauber, der wohl niemanden unbeeindruckt hinterlässt. Dieses wunderschöne Lichtspiel der Leuchtkäferchen darf Anlass sein, an langen Winterabenden mit ganz speziellen, poetischen Lichtinstallationen ein besinnliches «Hommage an die Leuchtkäferchen» zu realisieren.
Das zweite Bild entstand an einem Abend nach der Wintersonnenwende, an ungefähr der selben Stelle. Die Sonne pflegt zwar früh unterzugehen, das letzte Licht aber ist aber fast wie flüssiges Gold... die «Stunde des Goldes»

Projekt einer Veranstaltungsreihe am Monte San Giorgio und seinen Dörfchen, in und um Meride, jenem ebenso eindrücklichen wie malerischen Dorfkern am Alpensüdhang – für den Monat Dezember sowie die ersten Januartage.